09.06.2013
Event

Tief gefallen....


Und zwar aus 4000 Meter, denn am Sonntagmorgen erlebte ich meinen ersten Fallschirmsprung.

Natürlich sprang ich nicht solo, sondern als Tandem mit einem erfahrenen Tandemspringer. Diesen Kick hatte ich mir bei einer Agentur erworben und sah dem Sprung ins Blaue sehr entgegen. 0800 BLUESKY bietet diese Tandemsprünge und Fallschirmsprungausbildungen in Waizenkofen bei Thalmessing an. 

Der Termin stand Samstagabend noch auf der Kippe, denn schlechtes Wetter war vorhergesagt. Als der Termin jedoch am Sonntagmorgen telefonisch bestätigt wurde, schwebte ich bereits über den Wolken. Für meinen Sprungpartner Jens Solinski war es der erste Sprung mit einem Blinden, also für ihn in gewisser Weise auch ein Debüt.

Auf dem Flugplatz herrschte bereits reger Betrieb als wir um 9 Uhr eintrafen. Nach einer kurzen Begrüßung erklärte Jens mir ein paar formelle Sachen und dann ging’s zur Sache.

Zuerst zeigte er mir den Flieger und demonstrierte, wie wir sitzen und uns in Absprungstellung bringen. Jens beschrieb alles sehr gut verständlich, was mir viel Vertrauen vermittelte. Ich bin es gewohnt, mich auf Tandempartner einzulassen, jedoch war dies hier eine andere Dimension, als ich sonst gewohnt bin.

Als ich den Flugoverall bekam, stieg die Spannung in mir, die Vorfreude auf das kommende und den Moment des Absprungs.

Dieser Moment war der eigentliche Kick. Der Moment, der die Adrenalinschleuse öffnen würde. Jens verschnürte mich, verband uns mit Sicherheitsriemen und dann war’s Zeit, den Flieger zu besteigen.

Meine Freundin gab mir noch ein Küsschen, wünschte mir viel Spaß und einen sicheren Sprung und bereits ein paar Minutenspäter stieg der Flieger auf. Wir gingen alle wichtigen Punkte Schritt für Schritt noch einmal durch, während Jens alle Riemen und Verschnürungen überprüfte.

Um die Anspannung, die sich unter den insgesamt neun Abspringer breit gemacht hatte zu lösen, fing ich an etwas Stimmung zu machen, klatschte in die Hände und rief irgendwas wie "Yeah Baby, yeah, alles Gute für alle".

Und dann war’s soweit! Wir waren auf 4000 Meter Absprunghöhe angekommen, die Tür zu meiner linken Seite ging auf! Jens bugsierte mich so, das ich direkt am Einstiegsrand saß, so dass ich die Beine frei hängen lassen konnte. 

Dies war der Moment, dem ich entgegengefiebert hatte! Dies war der absolute Höhepunkt, denn von diesem Punkt ging’s nur noch abwärts!! Ich hatte in meinem früheren leben einen Tiefen Fall erlebt, war richtig tief gestürzt und hart auf dem Boden der Realität aufgeschlagen. 

Als ich nach Jahren wieder festen Stand im Leben fand, war ich mir sicher, nie wieder so tief zu stürzen..

Und jetzt saß ich hier, Beine frei baumelnd in 4000 Meter Höhe, bereit, mich in die Tiefe zu stürzen! Doch dieser Fall, dieser Sturz war etwas anderes, würde mein Leben, meine Enpfindungswelt bereichern. 

"Bereit zum Absprung?" Als Jens mir diese Worte zurief, überflutete es mich völlig, ich tauchte ein in ein Meer von Adrenalin. 

"Ja, alles roger, bereit zum Absprung!" Kopfkino, Wahnsinn, unbeschreiblich geil!

Und dann ging’s ab!!! Der freie Fall ist das Höchste, das Schönste, erlösend wie ein Orgasmus, unbeschreiblich, nicht in Worte zu fassen!

Man muss es erleben, um es zu verstehen. Diese 50 Sekunden loslassen, den freien Himmel spüren, der Erde entgegen und Newton lässt dabei grüßen: Die Anziehungskraft brachte uns auf eine Fallgeschwindigkeit von ca. 200 km/h. Jens gab mir das taktile Kommando die Arme zu strecken, so wie "Hände hoch". 

Dieser freie Flug hätte gerne noch andauern können, doch irgendwann kam das Kommando, die Arme wieder zu verschränken. Danach öffnete sich der Schirm. Einfach geil, der absolute Überkick, hammermäßig!! Der Himmel hatte uns, wir schwebten dahin, wurden sanft getragen in luftiger Höhe. Freude pur, Freunde der Sonne, jetzt war die Welt für mich in Ordnung – zumindest für diesen Augenblick!

Meine Bayern hatten das Triple, ich hatte die liebste Freundin, die ich mir wünschen kann und jetzt auch noch das!! 

Jens ließ mich an die Lenkriemen des Schirms, sagte mir, ich solle ganz fest an den rechten Riemen ziehen.

Wow, wir drehten eine Kurve und ich hatte das Gefühl in einer Achterbahn zu fahren, nur schöner! Wir drehten noch ein paar Kurven und dann war auch schon der Flug fast zu Ende. 

"Beine strecken und fertigmachen zur Landung!" Jens hatte mir dieses Kommando genau beschrieben und ich wusste, dass wir nur noch ein paar Sekunden bis zur Landung hatten. 

Die Landung war sanft und unspektakulär, ein schöner Ausklang der letzten fünf oder sechs Minuten, die der Sprung gedauert hat. 

Meine Freundin lief mir bereits entgegen, als wir uns vom Schirm befreiten. Wir beglückwünschten uns gegenseitig zu diesem tollen Erlebnis. Ich bedankte mich für die sichere und zu jedem Zeitpunkt vertrauensvolle Begleitung und Betreuung meines Sprungmeisters Jens Solinski.

Meine Freundin war natürlich erfreut, dass alles so schön und positiv verlaufen ist, und wollte wissen, wie ich es empfand. und es sprudelte alles aus mir heraus.

Ich konnte mich auch kaum einkriegen, denn ich war noch so überwältigt von dieser wunderschönen Erfahrung. 

Es war mein erster, jedoch mit Sicherheit nicht mein letzter Sprung!