05.05.2013
Event

Sri Chinmoy 24h-Lauf in Basel


Das Wochenende vom 4./5. Mai wurde zu einem ganz besonderen Erlebnis für mich und meinen Teamkollegen Waldemar Spiller. 

Auf der Suche nach Guides für den 24h-Lauf in Brugg im September des vergangenen Jahres war der Kontakt zu Gabor Szirt, dem Basler Lauftreffleiter, zustande gekommen.

Die Redaktion des Schweizer Magazins Fit for Life vermittelte mich an Gabor, den Leiter und Initiator des Lauftreff-BeiderBasel. Die Läufer/innen dieser Laufgruppe stellen sich blinden und sehbehinderten Läufern als Guides zur Verfügung. 

Meine Anfrage, Guides für den 24h-Lauf in Brugg zu bekommen, kam zu kurzfristig. An diesem Wochenende waren alle Guides beim Stadtmarathon in Basel eingeplant. Gabor bot mir jedoch an, Guides für den 24h-lauf in Basel organisieren zu können. Von diesem Event hatte ich schon viel Positives gehört, hatte den Lauf schon länger auf meiner Liste gehabt, jedoch hatte sich bisher keine passende Gelegenheit geboten. Gabors Angebot kam mir jedoch sehr entgegen. Ich würde kein Team zusammenstellen müssen, das mich begleitet, würde organisatorisch weniger gefordert sein und auch der Kostenaufwand wäre weit geringer als mit einem Team. 

Meine Vorbereitung auf diesen 24h-Lauf verlief anders, als ich geplant hatte. Das kommt immer wieder vor, insbesondere wenn es um die langen Läufe geht.

Eine Zahnoperation, Vortragstermine und medialer Rummel vor, während und nach meinem Auftritt bei RTL warfen den Trainingsplan durcheinander, das schlechte Wetter kam noch hinzu und so war ich nicht auf dem Leistungsstand, den ich gerne gehabt hätte.

Dennoch wollte ich diese Veranstaltung erleben, die vom Sri-Chinmoy-Marathonteam organisiert wird. 

Am 03. Mai fuhren Waldemar Spiller, mein Kajakmentor und guter Freund, und ich mit der Bahn nach Basel. Im Hotel, in dem ich uns Zimmer reserviert hatte, wurden wir sehr herzlich empfangen. Das B+B-Familienunternehmen ist zwar nicht meinem deutschen Partner, der B+B-Hotels-Gruppe angeschlossen, jedoch war die Aufmerksamkeit und warmherzige Betreuung nicht anders, als ich es von den deutschen Häusern gewohnt bin. 

Die Hotelchefin bot uns spontan persönlichen Fahrdienst an, fuhr uns in das nahe gelegene Einkaufscenter und anschließend zur Pastaparty. Hier trafen wir einige Freunde, die ich aus Göteborg, Brugg, Monaco und Deutschland jeweils von Ultraläufen kenne. Das Wiedersehen ist immer sehr herzlich und es gibt immer vieles zu erzählen. Unter den Teilnehmern traf ich Daniela Appenzeller und Fredi Büchler, die ich aus Brugg kenne, sowie KG Nyström, dessen 6-Tage-Lauf in Göteborg mein erster Multidaylauf gewesen war. Besonders freute ich mich über das Wiedersehen mit Robert Wimmer, dem Sieger des ersten Transeuropean-Footrace. Robert lebt, wie ich in Nürnberg, jedoch hatte ich ihn seit 2010 nicht mehr getroffen. Robert hatte mich 2003 bei meinem ersten Halbmarathon nach siebenjähriger Pause  begleitet und war mit Hamid, den ich ebenfalls aus Nürnberg kenne, angereist. 

Während der Pastaparty zog ein fürchterliches Gewitter auf, ergoss sich in strömendem Schauer über den St.-Jacobspark, in dem die Veranstaltung stattfand. 

Am späten Abend ließ der Regen nach und irgendwann zogen die Regenwolken weiter. 

Auf dem Heimweg durch den Jacobspark genossen wir die durch den Regen erfrischte Luft und hofften auf besseres Wetter für den nächsten Tag. 

Im Hotel trafen wir uns mit Gabor und seiner charmanten Frau Madeleine. Das Kennenlernen war herzlich und der Abend ging in freudiger Erwartung auf die kommenden 24 Stunden zu Ende. 

Als wir gegen 11 Uhr am Zelt eintrafen, das für uns bereit stand, waren Gabor, Madeleine und die ersten Guides, die mich begleiten würden, schon da.

Wir richteten uns "häuslich nieder", trafen die letzten Vorbereitungen und gingen nochmals die Strecke ab.

Waldemar war kameratechnisch ausgestattet, suchte sich bereits seine ersten Motive und knipste die ersten Impressionen des Geschehens. 

Nils war als erster Guide eingeteilt und wir sprachen uns noch ab, bevor wir uns am Start mit den anderen Teilnehmern aufstellten.

Countdown...., 3, 2, 1, los!

Irgendwo stand eine große Uhr, die die Gesamtlaufzeit runterzählte, sodass man jederzeit eine offizielle Zeitmessung hatte. 

Meine Strategie für die nächsten 24 Stunden: Spaß haben, Kontakte knüpfen, angenehme Begegnungen und dabei zwischen 130 und 140 km laufen.

Die ersten Stunden vergingen im Nu, denn es gab allerhand zu erzählen und erfahren. Mein Teamkollege und Freund Waldemar war überall und stets unterwegs, fing interessante Szenen und Motive für seine Aufnahmen aus allen Blickwinkeln ein. 

Der Lauftreff Beider-Basel bot mir nicht nur Guiding, sondern rundum das volle Paket, also betreutes Laufen und all inclusive. Das beinhaltete Guides, Versorgung nach Wunsch und beste Unterhaltung auf der Strecke.

Am späten Nachmittag zogen dunkle Wolken auf und bescherten uns eine längere Pause, denn es goss wieder aus allen Kübeln. 

Durch den anhaltenden Regen stieg die Luftfeuchtigkeit, die sich abends und nachts als dicke Nebelsuppe über und um uns hängte. Es wurde zwar etwas kühler, jedoch nie richtig kalt, sodass das Laufen nicht unangenehm wurde.

Obwohl dies bereits meine achte Teilnahme an einem 24h-Lauf war, war ich bis dato nur bei einem 24h-Lauf auch 24h auf der Strecke gewesen. Diesmal wollte ich den zu erwartenden "toten Punkt" gut durchlaufen und versuchen, mental und körperlich "wach" zu bleiben.

Der stetige Wechsel der Guides, die immer wieder neuen, frischen Geschichten der einzelnen und die Freude, die mir mein Teamkollege Waldemar vermittelte, halfen mir hierbei besonders effektiv. 

Alle Guides verdienen würdevolles und äußerst dankbares Lob für die Unterstützung, die sie mir boten. Insgesamt begleiteten mich die folgenden 14 Guides vom Lauftreff BeiderBasel.Ch in den 24 Stunden, manche für eine Stunde, andere für mehrere Stunden und der eine oder andere mehrmals:

Nils, Melloney, Patricia, Daniel, Diana b., Barbara, Nikolas, Lucas, Diana V., Verena, Alex, Madeleine und Gabor. 

Nachts wurden die Beine schwer und muskulär war ich im Grenzbereich, konnte zwar nicht powern, jedoch immer in Bewegung bleiben. Erwähnenswert ist die Betreuung, die der Veranstalter allen Läufern bot. Der Verpflegungsstand war bestens bestückt und alle Helfer hatten immer einen netten Spruch parat, waren äußerst bemüht, jedem das Gewünschte zu bieten.

Als der Morgen dämmerte, spürte ich dieses einzigartige Gefühl, das ich immer wieder bei Events dieser Art spüre: tiefe Dankbarkeit und innere, stille Freude dabei zu sein... In meiner ursprünglichen Planung war eine neue PB angedacht. Dieses Ziel würde ich jedoch hier nicht erreichen, was mich aber nicht weiter beschäftigte. Mit dem erreichten Ergebnis würde ich zufrieden sein, denn das Gesamterlebnis war entscheidend. Und das Gesamterlebnis hätte für mich und Waldemar nicht besser sein können! 

In den letzten Stunden wurde ich von Madeleine und Gabor begleitet.

Nachdem ich bereits Interessantes von den anderen Guides erfahren hatte, von ihren Erlebnissen, aber auch einiges vom jeweiligen Lebensweg, konnte ich nun mehr über Gabor und seine Initiative erfahren.

Ich war völlig erstaunt und empfand zugleich große Achtung vor seiner Motivation.

Gabor Szirt hat diesen Lauftreff ins leben gerufen, um Blinden und Sehbehinderten die Möglichkeit zu bieten, Laufen zu erleben.

Er ist selber nicht gehandicapped, hat keinen blinden oder sehbehinderten in seinem direkten Umfeld. Jedoch hat er es immer als wertvolles Geschenk des Lebens empfunden, sehen zu können, ohne Beeinträchtigung. Aus Dankbarkeit für seine eigenen visuellen Möglichkeiten hat er den Lauftreff-BeiderBasel gegründet. Der Lauftreff ist im schweizerischen Sportverband und Behindertensportverband anerkannt und integriert. 

Für Sehende ist es vielleicht nicht nachvollziehbar, wie wertvoll diese Initiative wirklich ist.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, adäquate und kompetente Laufguides zu finden. 

Ohne Gabors Initiative würde ich heute wahrscheinlich noch davon träumen, diese bestens organisierte und schöne Veranstaltung in dieser herrlichen Umgebung mit diesen wunderbaren Menschen zu erleben. 

Vier Wochen nach diesem Erlebnis …

… verbrachte ich ein Wochenende mit meiner Freundin in Basel. Es war mir ein großes Bedürfnis, mich nochmals persönlich bei allen Guides zu bedanken. Am Samstag trafen wir uns im Kaffi Kirschgärtli zum Brunch und am Sonntag zum Mittagessen im Kaffi Murano. 

Beide Treffen verliefen in angenehmer Atmosphäre und wohltuendem Ambiente. Auch Ingrid fühlte sich sehr wohl und wurde von allen warmherzig aufgenommen.

Ich nutzte die Gelegenheit, jedem Guide eine Urkunde und eine Running Norris-Freundschaftsmedaille für die jeweilige Zeit, die er mir während des Laufs gewidmet hatte, zu überreichen. 

Der Sonntagmorgen wurde aber natürlich auch für einen Trainingslauf  genutzt. Dabei lernte ich mehr über die Historie und Entwicklung der Stadt und Region Basel kennen. Während ich mit Gabor und Claude unterwegs war, unternahm Barbara eine Sightseeingtour mit meiner Ingrid. 

Zum Abschluss unseres Besuchs in Basel ging Nils mit uns auf eine Besichtigungsrunde durch die Basler Innenstadt. 

Als wir abends im Zug nach Nürnberg fuhren, hatten wir allerhand schöne Erlebnisse im Gepäck. 

Herzlichen Dank Gabor, herzlichen Dank Lauftreff BeiderBasel!