27.09.2014
Event

Runterra – Grenzen überschreiten, um sich selbst zu begegnen


Runterra – Der Lauf mit den meisten Hindernissen...

"Das hört sich ja interessant an", dachte ich, als eine vertraute Person mir Infos zu diesem Event zukommen ließ. Der Lauf würde in der Region zwischen Weinzierlein und Wintersdorf stattfinden, südwestlich von Nürnberg. Termin, Veranstaltungsort und vor allem die Herausforderung kamen zu einem günstigen Zeitpunkt, denn die letzten Wochen zuvor waren mit der Vorbereitung einer Blind Challenge/Impulsevent für einen namhaften Globalplayer gefüllt.

Anspannung, negative Stresssymptome und dadurch bedingt eine allgemeine muskuläre Verspannung, aber auch eine mentale Ermüdung machten sich bemerkbar. Es war also Zeit für eine Herausforderung, die mich mental und körperlich wieder in die Balance bringen könnte. 

Der Veranstalter erklärte mir mehr zum Event, zu den Hindernissen und der Strecke. Meine Teilnahme stand danach fest. Aber um teilzunehmen brauchte ich zwei Guides als Support. 

Michael Dotzauer und sein Bruder Christian sagten mir auf meine Anfrage hin ihre Unterstützung sofort zu. Michael hatte mich vor einigen Jahren in den Triathlonsport eingeführt und war bei der Challenge Roth bereits zweimal mein Navigator durch den Kanal.

Christian hatte ich bei Michaels Geburtstagsfeier kennengelernt. Beide sind erfahrene Läufer und Kletterer und verlassen ihre persönliche Komfortzone gern, um solche Herausforderungen anzunehmen. 

Mein Neffe Cris-Joe begleitete uns mit dem Camcorder, um das Erlebnis und den Spirit dieser Veranstaltung in Bild und Ton festzuhalten. 

"Runterra – Im Zeichen des Phoenix"

Das Motto dieser Veranstaltung erinnerte mich an Paulo Coelhos "Krieger des Lichts". Diese Krieger treffen sich regelmäßig, um hohe Werte und Tugenden zu pflegen. In Ihren „Kämpfen“ spielen Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Teamgeist, Ehre und Vertrauen eine große Rolle. Auch der Runterra weckt diese Ideale hervor. Ziel ist, die 7-km-Runde zu bewältigen, als Einzelkämpfer oder im Team.

Auf dem präparierten Terrain begegnete jeder, der im Zeichen des Phoenix unterwegs war, Hindernisse, Hürden und Aufgaben, die nur über vollste Konzentration, körperliche Geschicklichkeit, Mut und wahren Teamgeist bewältigt werden konnten. 

Vor dem Start liefen die einzelnen Teams in die Runterra-Arena ein. Jedes Team wurde von der Hüterin des Runterra-Commitment, Juli Mützer vorgestellt. Mit motivationsentfachenden Zurufen und feierlichem Jubel wurden sie von den anderen Teams empfangen. Der Teamgeist war überall präsent und spürbar, Tugenden wurden beschworen, Mut und Achtsamkeit für die bevorstehende Aufgabe miteinander gestärkt.  

Es war Zeit! Das Tor zu Runterra, der Ort, der das Besondere in jedem Athleten und Athletin hervorrufen würde, wurde von Juli Mützer freigegeben! Bevor wir losliefen, klatschten wir uns nochmals ab und beschworen unser Teamgeist. Für einen Moment sah ich vor meinem "geistigen Auge" Flügel über Runterra schweben. Es war Phoenix. Die Zeit war gekommen, wieder aus der Asche emporzusteigen! 

Die ersten paar hundert Meter waren zum Warmlaufen. Das Terrain war abwechselnd, aber noch ohne größere Herausforderung. Wir liefen über Schotter und Waldboden, überwanden die ersten steilen Anstiege und die teilweise wie umgepflügt wirkenden Wege.

Und dann ging’s Schlag auf Schlag!

Hügel, steile Hänge, die nur hochgekraxelt werden konnten und auf der anderen Seite ein steiler, matschiger Abhang, den man herunter rutschen konnte ... um sich in das erste Schlammloch plumpsen zu lassen! Die Stimmung war grandios und wurde auf der gesamten Strecke immer wieder entfacht.

Christian stand bereits im Sumpf, als Michael mir die Begebenheiten erklärte. Und ab ging’s, rein in den Sumpf. Es war nicht leicht, sofort festen Stand zu finden, nachdem man hineinplumpste. "Hab’ dich, komm’ rüber, hier ist fester Boden". Monika Reker (www.monreker.de) reichte mir die Hand, Christian kam sofort dazu und wir empfingen Michael, der als letzter von unserem Team die Begegnung mit dem Sumpf  hatte. 

Auf den nächsten Kilometer forderte uns eine Reihe unterschiedlichster Schwierigkeit heraus. Jedes Hindernis bot Gelegenheit den Teamgeist auszuleben. Christian und Michael konnten mir die Aufgabe immer kurz und prägnant beschreiben und wussten auch, wie wir sie überwinden konnten. Steile Erdhügel, herausragende Baumwurzeln, Steine, Geröll und Anhöhen, die überklettert werden mussten! Meine Konzentration und Körperspannung nahm zu, ich war zeitweise bis in die Haarspitzen gespannt, Adrenalin pur! 

Die Sicherheit, die mir meine beiden "Flügel" bot, ermöglichte mir viele Hindernisse sehr sicher und positiv anzunehmen. Ich fühlte mich wie befreit, erlöst von der großen mentalen und physischen Anspannung der letzten Wochen. 

Die Konzentration und der Physical Challenge, die mir Runterra abforderte, war jedoch positiv, meine inneren Akkus luden sich mit diesem mystischen Geist, der präsent und spürbar war, immer weiter auf. 

Eine amazonenhafte Leistung, die alle Teilnehmer begeisterte, zeigte Monika Reker. Ihre energiegeladene Geschicklichkeit und die inspirierende Willenskraft zeigten sich  bei jedem Hindernis, die sie überwand. Ihre Ausdauer ließ sogar Phoenix aufhorchen: Moni forderte Runterra gleich drei Mal heraus, bewältigte die volle Distanz! 

Beim Runterra begegnete ich meiner eigenen Person, meinem Inneren, wieder. Über diese hohe Anforderung an Körper, Geist und Commitment fand ich die Balance zwischen meinem Bewusstsein, dem Unterbewusstsein und meinen eigenen Ressourcen wieder. Und ich begegnete mich in außergewöhnlichen Situationen, spürte wie ich die jeweilige Situation wahrnahm und mich darin verhielt. Ich konnte meine Sinne wieder schärfen, der mentalen Quelle Nahrung bieten. 

Wir kletterten noch über hohe Betonmauern, robbten unter ein tiefgespanntes Netzgitter einem schlammigen Hügel hinauf und kraxelten über lose aufgetürmte Autoreifen. In einem stinkigen Sumpfloch versank ich knöcheltief bei jedem Schritt durch die hüfthohe, undefinierbare Brühe. Es war eine Balanceakt, den Sumpf zu durchqueren, aber zum Glück konnte ich immer wieder das Gleichgewicht finden. Die Bibert, die sich durch Runterra windet, musste an zwei verschiedenen Stellen durchschwommen werden. Dabei lösten  sich Schlamm, Sand und Matsch von Schuhen, Kleidung und Körper. 

Zum Abschluss der 7-km-Runde kletterte ich in einen Container und musste unter ein tiefgespanntes Netzgitter über den mit steinigem Erdreich aufgefüllten Boden des Containers robben. Die letzten paar hundert Meter wurden nur noch über unterschiedliche Profile gelaufen. 

Bevor wir das Ziel erreichten, bedankte ich mich bei Michael und Christian für die souveräne Leistung, die sie als Support für mich einbrachten. Für mich war hier aber auch Schluss. Die immense Anspannung war gerade richtig dosiert gewesen. Ich hatte Runterra erlebt und die Herausforderung bewältigt. Jetzt war es aber auch Zeit, den beiden die Möglichkeit zu bieten, Runterra für sich zu erleben, allein und auf sich fokussiert. 

Super gemacht, vielen Dank für die Unterstützung! 

Im Ziel wartete Chris auf uns. Um gute Perspektiven bei den verschiedenen Hindernissen zu finden, war er uns meistens vorausgerannt, kreuz und quer durch den Wald. An manchen Stellen hat er uns kurz interviewt und an manchen Stellen sich auch nicht gescheut, durch Matsch und  unwegsames Terrain zu kämpfen. Auch er hatte das Motto "never give up" verinnerlicht. Bravo, Chris! Wir sind schon gespannt auf den Clip, den er produziert. 

Abends genossen wir im Kreise vieler Teilnehmer Bratwürste, alkoholfreies Bier und das gemeinsame Erlebnis an einer großen Feuerschale im Freien. Die Stimmung und die Atmosphäre waren "im Zeichen des Phoenix". Die meisten saßen zusammen und durchlebten in ihren Erzählungen alle Hindernisse nochmals.

Das Bild vor meinem geistigen Auge projizierte mir Eindrücke, die Gemeinschaft und  Kameradschaft vermittelten. Es war ein angenehmes Gefühl, eine wohltuende Empfindung.

Ich war müde, aber nicht ausgelaugt, hatte mich der Herausforderung gestellt und mit Support alles relativ gut und sicher bewältigt. Und ich hatte die richtige "Dosierung" der Anspannung gewählt. Ich war einigen Situationen begegnet, die mir alles abforderten, hatte meine  Ressourcen gut abrufen können und dadurch wieder meine innere Balance gefunden. 

Nun war ich bereit für die große Aufgabe, die mich ein paar Tage später erwartete.

Als die feierliche Ehrung begann, gingen wir ins Zelt. Hier saßen wir mit Robert Wimmer und anderen Teilnehmern zusammen. Jeder Teilnehmer, jedes Team, dass zur Ehrung auf die Bühne gerufen wurde, bekam riesigen Jubel und zum Abschluss wurden Monika Reker, die uns alle begeistert hat, und ich mit dem Phoenix Social Award geehrt. Während dieser Ehrung schwebte Phoenix über Runterra. Er  war wieder aus der Asche emporgestiegen. 

Fazit: Eine perfekt organisierte Veranstaltung, eine absolut geile Herausforderung an Körper, Geist und Sinne und eine bereichernde Erfahrung insgesamt!