10.10.2010
Event

München Halbmarathon


Meine dritte Begegnung mit Joey Kelly in diesem Jahr fand in München statt.

Joey Kelly und Jeffrey

Nach dem Hasetalmarathon im Juni, sowie dem RTL-Spendenmarathon, bei dem wir auf meinem Tandem radelten, trafen wir uns in München zum Halbmarathon. Joey hatte zehn Tage zuvor seinen Survivalmarsch durch Deutschland erfolgreich beendet, war in der Nacht vor dem Halbmarathon noch beim Stockcar-Challenge bei Stefan Raab gewesen. Ich fühlte mich fit, hatte meinen 24h-Lauf in Brugg gut verdaut und freute mich auf eine weitere Aktion mit der sympathischen, irischen Frohnatur, der nebenbei einer der außergewöhnlichsten Allroundsportler ist.

Die ganze Aktion fing schon mit eine sehr bedeutsamen Begegnung an. Einer der Guides, die im Vorfeld des Events von der Post ausgelost wurden, kam, wie ich, direkt aus Nürnberg. Um nach München zu kommen, bot sich also auch die Möglichkeit mit ihm zu fahren, wozu ich mich auch entschied. Waldemar Litke, 50-jähriger Deutschrusse aus Omsk, hat sich zwischenzeitlich zu einem wichtigen Teamkollegen, Trainingspartner und Coach entwickelt. Zu seine sportlichen Stärken kommen auch noch seine Qualitäten als Kameramann. Vor allem seine Mentalität und sein Naturell,  Vertrauenswürdigkeit und warmherzige Persönlichkeit haben unsere Freundschaft initiiert, so dass wir bereits einige interessante Aktionen für die kommenden Monate geplant haben... 
Die Fahrt nach München war sehr kurzweilig. Waldemar erzählte mir viel von Sibirien, dem Eismeer-Marathon und dem White-Night-Marathon in St. Petersburg, dem Schatzkästchen Russland’s...
Nach einem Gang über die Marathonmesse in der Olympiahalle, fuhren wir ins Hotel, wo unsere Zimmer vom FC Deutsche Post reserviert waren.
Sehr erfreulich war für mich, dass Waldemar von  Anfang an ein perfekter Guide und eine äußerst angenehme Begleitung für mich war. Abgesehen von seiner sympathischen, unkomplizierten Art, war er sehr umsichtig, aufmerksam und auf meine Sicherheit bedacht. Ich musste eigentlich wenig erklären und was ich erklärte, fasste er sofort auf. So konnte ich sehr schnell Vertrauen fassen, was mittlerweile dazu geführt hat, dass er einen festen Part in meinem Team einnimmt.

Unsere Zimmer waren so großzügig ausgelegt, dass ich mich fast darin verlaufen konnte. Es gelang mir jedoch trotzdem, mich einzuquartieren und es mir bequem zu machen. Wir trafen die anderen Eskorte-Läufer, sowie die beiden Verantwortlichen der FC-Deutsche Post in der Lounge des Hotels. Dort wurde ich dem Team vorgestellt. Ich erzählte einiges über mich, erklärte die wichtigen Punkte für die Guides und was speziell für mich notwendig ist. Anschließend saßen wir in dem Hotelrestaurant zusammen und ich konnte mehr über den FC Deutsche Post erfahren. Die beiden Teamchefs Detlef und Jan, aber auch die anderen Läufer waren sehr herzlich und ich genoss den Abend, ging aber gegen 22 Uhr schlafen.Waldemar war wie ein stiller Begleiter, immer aufmerksam, hilfsbereit und vermittelte mir Sicherheit. Obwohl ich schon Routine darin habe, immer wieder neue, fremde Situationen, Städte, Hotels, Menschen und unbekannte Umstände anzunehmen habe, bin ich noch oft unsicher. Es sind manchmal zu viele Eindrücke, Emotionen und sensorische Wahrnehmungen, die ich zeitweise erst auf mich wirken lassen muss, um den „sicheren Stand“ zu haben, der mir wichtig ist.  Waldemar hat dies sofort verstanden, sich auch ganz und gar darauf einstellen können. Das macht es für mich natürlich viel einfacher, alles entspannter und bewusster, intensiver genießen zu können.

Irgendwann am frühen Morgen traf Joey ein. Wir trafen uns alle nach dem Frühstück vor dem Hotel, wo Joey dann auch den anderen vorgestellt wurde.
Das Wetter war bilderbuchmäßig! Es war zwar noch recht knackig kühl am frühen Morgen, doch die Sonne ließ schon erahnen, dass sie sich an diesem Tage richtig strahlend zeigen würde.

Mit zwei Autos fuhren wir zum Startbereich, wo wir hinter der Absperrung von vielen Fotografen erwartet wurden. Alle waren bestens gelaunt. Die Stimmung im Team war „Daumen hoch!“ und im Hintergrund dröhnte es aus mehreren Lautsprechern. „Elektrisches Gefühl, heute wird ein guter Tag...!“ Wie wahr diese Vorankündigung sich zeigen würde, spürte ich jetzt schon...

Nach dem Start ließen wir die andren erst mal loslaufen. Wir zogen es vor, lieber von hinten nach vorne zu laufen, als von vorne nach hinten durchgereicht zu werden.
Es ging zwar um nichts, keine Bestzeit war angepeilt, Erlebnis und Vergnügen angesagt. Dennoch ist es psychologisch immer besser zu überholen, als überholt zu werden. Die ersten km liefen wir abwartend, bei gemächlichen Tempo. Nach einer halben Stunde wurde das Teilnehmerfeld etwas auseinander gezogen, so dass wir zügiger voran kamen. Die Kommunikation mit Joey klappte bestens und unsere Eskorte war zu jeder Zeit sehr aufmerksam, schirmte uns sicher ab.
Die Stimmung unter allen Beteiligten war super. Selbst Joey, der in der Nacht zuvor noch beim Stockcar-Challenge auf Schalke seine Runden gefahren war, machte einen aufgeweckten Eindruck. Seine warmherzige, frohgelaunte Natur ist ansteckend und zeichnet ihn nicht nur als besonderen Sportler, sondern auch als sehr angenehme Persönlichkeit aus.
Als die ersten 10 km hinter uns lagen, konnten wir schön zügig laufen, sogar das Tempo etwas erhöhen. München zeigte sich an diesem Sonntagvormittag von seiner schönsten Seite! Der blaue Himmel, der uns goldene Sonnenstrahlen schickte, lockte viele Zuschauer an den Streckenrand. Das Münchner Publikum feuerte jeden an, und viele erkannten Joey als wir vorbei zogen, riefen dann begeistert seinen Namen:„Joey, Joey!“
Viele Teilnehmer fanden immer wieder die Gelegenheit, das eine oder andere Wort mit ihm zu wechseln. Für uns anderen war es eine schöne Sache, aber auch eine Ehre mit ihm zu laufen. Als wir dem Stadion näher kamen, erinnerte ich mich an meinem ersten Medienmarathon  vor fünf Jahren. Damals war es ein unbeschreibliches Gefühl für mich, als ich mit meiner damaligen Laufpartnerin Corinna durch den Marathontunnel ins Stadion einlief...

Dieses Gefühl überkam mich wieder, als wir die letzten Meter durch den unterirdischen Gang ins Stadion vor uns hatten. Auf den letzten Metern beglückwünschten und bedankten wir uns alle gegenseitig. Unsere Finishzeit: 1:56 h. Im Zielbereich warteten Detlef und Jan, die Organisatoren des Events für die FC Deutsche Post. Fotografen waren natürlich auch sofort zur Stelle, wollten ein paar Fotos von dem Team mit dem charismatischen Extremsportler knipsen.
Für alle Beteiligten ist es ein schönes Event gewesen. So hatten sich Läufer aus den verschiedensten Regionen kennengelernt, einige angenehme Stunden zusammen verbracht, und dazu noch ein Erlebnis für die Erinnerung gehabt.Auf der Heimfahrt schmiedeten Waldemar und ich schon eifrig Pläne für die naheliegende Zukunft...