14.07.2016
Event

Hamburg Marathon 2016: Zwei Premieren und eine Mission


Der Haspa-Marathon in der Elbmetropole zählt für mich zu den schönsten Wettbewerben in Deutschland. Bereits zum dritten Mal durfte ich bei diesem tollen Event dabei sein und es war wieder ein bereicherndes Erlebnis. Aber es war anders als sonst. Denn ich hatte eine Mission: Ich sollte zwei Personen bei ihrem ersten Marathon bzw. Halbmarathon ins Ziel bringen. Ich als Guide – eine ganz neue Rolle für mich. Und dennoch haben sie mich geführt, nicht umgekehrt!
In Begleitung von Uwe, mit dem ich bereits ein paar Wochen lang trainiert hatte, fuhr ich per Zug am Freitagmorgen nach Hamburg. Nach dem Einchecken im Hotel ging’s direkt auf die Reeperbahn. Nein, es war nicht nachts um halb eins und es ging auch nicht darum, ein Mädel zu finden. Denn das Mädel hatte uns längst gefunden: Eve Champagne. Die Burlesque-Performerin bei Olivia Jones wartete bereits. Eve wollte ihren ersten Halbmarathon laufen – und dies mit meiner mentalen Unterstützung. Auch für Uwe war es eine nie dagewesene Herausforderung: sein erster Marathon. Und so durfte ich diese beiden Frischlinge bei deren Feuertaufe begleiten.
Der erste Halbmarathon, der erste Marathon – ich kann mich nur zu gut an meine Premieren erinnern. Es waren ganz besondere Stationen meines Lebens, die mir neue Impulse, neue Ziele und viele schöne Ereignisse brachten. 

Eve und Uwe war die Aufregung anzumerken. Doch bevor wir unsere Wettkampfstrategie besprechen konnten, stand noch schnell ein Pressetermin an. Die Bild-Zeitung Hamburg wollte sich das „schrägste Marathon-Paar“ nicht entgehen lassen. Fotoshooting, na klar, macht immer Spaß! Wir nutzten auch gleich die Gelegenheit, ein paar Meter gemeinsam zu laufen. Für Eve war es natürlich gewöhnungsbedürftig, denn mit einem Blinden war sie zuvor noch nie gelaufen. Sie fand sich aber sehr schnell damit zu recht, so dass ich keine Bedenken hatte. Das sprichwörtliche „blinde Vertrauen“ ist Grundvoraussetzung für ein Laufen im Team.

Am Vorabend des Wettkampfes waren wir mit Eve und einer Gruppe Touristen auf Kieztour und anschließend im Showclub von Olivia Jones. Der Abend war äußerst amüsant, die Künstler boten eine unterhaltsame Show und wir wurden herzlich umsorgt.

Samstag war dann Treff auf der Messe mit dem Fotografen Norbert Wilhelmi. Wir trafen uns am Stand von Runner’s World und wurden von Chefredakteur Martin Grüning schon erwartet. Auch hier gab es natürlich ein kleines Fotoshooting.

Beim Rundgang über die Messe bekam ich zwei Einladungen, eine für den München-Marathon und eine nach Luxemburg. 
Abends traf ich Norbert Wilhelmi, Dietmar „Pumuckl“ Mücke und Michel (Spaßpräsident) Descombes zum Abendessen und gemütlichen Zusammensein. Beide laufen meist verkleidet und sammeln dabei seit Jahren Spenden für wohltätige Zwecke.
Der Abend war herrlich, ich machte neue Bekanntschaften und genoss die vielen Geschichten, die man sich gegenseitig erzählte. 
Der Wettkampftag! Es war morgens noch kühl, jedoch schien die Sonne, als Uwe und ich im Startbereich ankamen. Eve sollten wir erst nach der halben Distanz aufsammeln. Mit  frenetischem Jubel der Läufer und Zuschauer wurde der 31. Haspa-Marathon Hamburg gestartet. Wir warteten ab, bis sich das Läuferfeld etwas gelichtet hatte und wir genügend Raum zum Laufen hatten. Gerade nach dem Start ist das Gedränge und Geschubse groß und stellt für mich ein hohes Sturzrisiko dar. Nach ein paar Minuten bot sich dann genügend Freiraum, so dass wir bequem und sicher los konnten.
Auf den ersten Kilometern konnten wir uns gut einlaufen. Uwe wirkte ziemlich aufgedreht und euphorisch – na klar, es war ja auch sein erster Marathon. Dennoch musste ich ihn hin und wieder bremsen und daran erinnern, umsichtig zu bleiben. Viele Gedanken an meinem ersten Marathon gingen mir durch den Kopf, während wir Kilometer für Kilometer hinter uns ließen. Bei Kilometer 16 gab’s ein kurzes Shooting mit Pumuckl, Michel und ein paar Mädels vom Vorabend. Und dann kamen wir der Halbmarathondistanz nahe, wo Eve auf uns gewartet hatte und sich uns anschloss. 
Eve hatte sich in den sechs Wochen zuvor auf den Halbmarathon vorbereitet. Sportliche Ambitionen und das Nachtleben auf der Bühne: Eve hatte beides gut unter einen Hut gebracht. Sie hatte Freude am Laufen und zeigte dies auch ganz deutlich. Unterwegs trafen wir immer wieder Freunde und Bekannte von ihr. Die Stimmung war großartig, aber das Wetter änderte sich von Sonnenschein auf Regen bis hin zum Graupelschauer. Typisch Hamburg eben. Nur der Wind blieb konstant – konstant böig und natürlich immer von vorne, egal in welche Richtung man lief.

Und dann passierte das, womit ich leider immer rechnen muss. Ich stolperte und stürzte zu Boden! Zum Glück konnte ich mich aber so abfangen und abrollen, dass ich gleich wieder auf beiden Beinen stand. Eve, die mich an einer Leine führte, war sehr erschrocken. Ich hatte mir die Hüfte leicht geprellt, konnte aber ohne Schmerzen weiterlaufen. Dieses Abfangen, Abrollen und wieder Aufstehen nach dem Hinfallen hatte ich so oft geübt, dass es für manchen wie inszeniert und einstudiert wirken musste. 
Bei Kilometer 38 war für meine beiden Begleiter eine neue Stufe erreicht: Eve war zum ersten Mal länger als 16 Kilometer, Uwe mehr als 36 Kilometer unterwegs. Dieser Moment musste natürlich von beiden fotografisch festgehalten werden.
Während wir dem Ziel immer näher kamen, eilten meine Gedanken bereits eine Woche in der Zeit voraus. Der 24-Stunden-Lauf am Seilersee stand für das nächste Wochenende an. Dort würde ich ebenfalls mit Neulingen laufen, die noch keine 24-Stunden-Erfahrung haben, zwei davon würde ich erst am Seilersee kennenlernen.

Und dann konnten wir schon den roten Teppich unter unseren Füßen spüren, das Ziel lag vor uns. Wir liefen zu dritt – überglücklich und erschöpft – über die Ziellinie. Eve hatte ihren ersten Halbmarathon, Uwe seinen ersten Marathon geschafft. Und bis auf den Sturz war alles richtig gut gelaufen.


Mission completed, Jeffrey! Well done.