08.06.2014
Event

Der Baur-Triathlon und die Bayerische Meisterschaft in Paratriathlon


Ankunft in Altenkunstadt

Veranstalter Helmut Dorsch, Patrick und ich

Unser Filmteam bei der Arbeit

Mit Florian Kurschus von Restube

In der Wechselzone

Auf zur nächsten Etappe

Interview nach dem Zieleinlauf

Nach getaner Arbeit

Die Siegerehrung…

…zum Bayrischen Meister im Paratriathlon 2014

Der TV 1928 Strössendorf und die Sportvereine aus der oberfränkischen Region zwischen Burgkunstadt und Kulmbach bieten mit dem Baur-Triahtlon seit Jahren den Handicappeds einen idealen Rahmen für die Bayerische Meisterschaft in Paratriathlon.Paratriathlon ist die Bezeichnung für den Triathlonwettkampf für Sportler mit einem Handicap. 

Beim Baur-Triathlon wird die Bayerische Meisterschaft über die Sprintdistanz ausgerichtet. Bei der Sprintdistanz müssen 500 Meter geschwommen, 20 km geradelt und zum Abschluss 7 km gelaufen werden. 

Die Sprintdistanz habe ich als Teilnehmer bisher nur einmal erlebt, und zwar bei meinem Triathlon-Debüt in 2005. Damals wollte ich den Triathlon einfach mal erleben und sehen, was das in mir in Bewegung setzt. Das Erlebnis war sensationell und traf den Triggerpoint in meinem Kopf voll! Ich hatte Blut geleckt und wollte nun mehr. In den folgenden Jahren bin ich dann mehrfach über die Kurz-, Mittel- und die Langdistanz gestartet.  

Jetzt stand wieder eine Sprintdistanz als Herausforderung an.

Die lange Trainings- und Wettkampfpause ging mit dem Halbmarathon in Bad Füssing in Februar zu Ende. Allmählich bekam ich den Kopf wieder frei und die Last der Verantwortung der letzten Monate löste sich. 

Seit März unterstützten Angela Weber und Matthias Reitenspieß mich dabei, einen Trainingsplan zu gestalten, den ich einzuhalten versuchte. Dies war nicht immer möglich, aber das Training insgesamt dennoch zielgerichteter als zuvor. 

Das Schwimmtraining lässt sich am einfachsten gestalten. Das Hallenbad ist nur ein paar Minuten von meiner Wohnung entfernt. Das Becken ist zwar nur 25 Meter lang, aber dafür zu Fuß gut erreichbar. Hierzu benötige ich keine Begleitung und keine Unterstützung. Wenn ich doch mal Hilfestellung benötige, ist das Badepersonal immer behilflich.

Um den Badebetrieb nicht zu stören, versuche ich die Einheiten zeitlich so zu legen, dass wenig Betrieb ist. So habe ich meistens eine Bahn für mich allein, oder nur zwei oder drei anderen Schwimmer. Anfangs bestand eine Trainingseinheit aus 40 Bahnen, in den letzten drei Wochen dann 50 bis 60 Bahnen pro Einheit. 

Matthias bot mir bis zu seiner Erkrankung Anfang April unterschiedlich gestaltete Trainingseinheiten auf dem Tandem. Nach seinem Ausfall musste ich umdenken und nahm Kontakt zu Amer Sports Deutschland auf. Matthias Weber, mein Ansprechpartner der Marke Precor Zone, nahm mein Anliegen auf und ließ mir ein paar Tage später ein Spinningbike der Marke Precor zu Hause aufstellen. Mit dem von Matthias Reitenspieß zusammengestellten Spinningprogramm verbrachte ich so noch einige Trainingsstunden zu Hause im Sattel. 

Angela vermittelte mir ein paar wesentliche Erkenntnisse, die mich läuferisch stabiler und sicherer machen. In den letzten Wochen schleifte sie mich dann noch bei Tempoeinheiten hinter sich her. So konnte ich die Vorbereitung auf einen Triathlon erstmals einigermaßen gezielt gestalten. Ohne die Unterstützung von Angela Weber, Matthias Reitenspieß und Precor wäre dies nicht möglich gewesen. 

Mein Wettkampfpartner für den Baur-Triathlon war Patrick Adam (38) aus Heilbronn.

Patrick hatte mich im letzten Jahr bereits beim Citytriathlon Heilbronn und beim Ironman 70.3 in Wiesbaden als Schwimmguide begleitet. Seine aktive Zeit hat er hinter sich, ist aber mehrfacher Ironman-Finisher und auch schon auf Kona ins Ziel gelaufen.

Für seine Kompetenz als Guide sprechen jedoch nicht nur seine sportlichen Erfahrungen und Leistungen. Vielmehr sind es seine menschlichen Qualitäten, seine Empathie, Umsichtigkeit und sein freundliches, natürliches Wesen, das ihn als Guide auszeichnet. 

Als ich Patrick 14 Tage vor dem Termin erzählte, dass ich noch keinen Wettkampfpartner hatte, bot er sich sofort an. Wir waren zwar bisher noch nie gemeinsam geradelt oder gelaufen, aber das würden wir noch am Vorabend üben. 

Als zusätzliche Motivation kam noch die Anfrage von der FH Ansbach, die gerne ein Portrait für ein Studienprojekt mit mir filmen wollten. Der Triathlon würde dafür einen passenden Rahmen bieten. 

Patrick reiste am Tag vor dem Triathlon an. Wir nutzten den Nachmittag, um uns auf dem Tandem aufeinander einzustellen. Für Patrick war dies ein Debüt, denn Tandem war er zuvor noch nicht gefahren. Nachdem er die ersten paar Kilometer allein geradelt war, um ein Gefühl für das Renntandem der Firma Schauff zu bekommen, kurbelten wir ein paar Kilometer gemeinsam. Dies sollte genügen, um die richtige Abstimmung für das erste gemeinsame Rennen zu finden. 

Den ersten gemeinsamen Lauf wollten wir direkt im Wettkampf machen, womit also aus dem vermeintlich kurzem Rennen bereits ein kleines Abenteuer werden sollte, vor allem auch ein heißes. 

Das Thermometer zeigte bereits 25 °C, als wir zum Frühstück im Acom-Hotel bei mir um die Ecke eintrafen. Während Ingrid und Patrick sich über die Ereignisse der vergangenen Monate austauschten, konnte ich  mich etwas zurückziehen und meinen Gedanken freien laufen lassen. Meine innere Aufregung ließ zwar nicht nach, jedoch war sie nicht unangenehm oder verunsichernd. Dieses Gefühl der freudigen Vorerwartung hatte ich schon lange nicht mehr so gespürt und es rief schöne Erinnerungen an vergangene Erlebnisse hervor. 

Ingrid holte mich wieder in die Gegenwart, als es Zeit war aufzubrechen. 

Das Tandem hatten wir bereits am Vorabend in dem Bus, den uns Erkan Sahinvon www.QSR-Group.de zur Verfügung stellte, verstaut. Dieses Entgegenkommen löste das Problem des Tandemtransports, dass sonst immer wieder zusätzliche Kosten und Umstände verursacht. 

Gegen 11 Uhr trafen wir in Altenkunstadt ein. Unsere Filmcrew war schon vor Ort und traf die ersten Vorbereitungen. 

Nicole Winkler, Conni Reeder und Lisa Gratzke waren damit beschäftigt, ihre Filmausrüstung zu testen, den Toncheck durchzuführen und die Einstellung für die ersten Drehs zu finden.

Helmut Dorsch, Chef der Veranstaltungsorganisation, begrüßte uns, gab uns die ersten Hinweise und erklärte Patrick den Ablauf und die Wechselzone. Helmut war dem Filmcrew sehr behilflich und zeigte ihnen gute Standorte für Ihre Aufnahmen, erklärte ihnen die Wettkampfstrecke und gab ihnen einen Berechtigungsschein, um in den Zielbereich fahren zudürfen.  

Bei der Ausgabe der Startunterlagen trafen Patrick und ich Florian Kurschus von RESTUBE, einem neuen Sicherheitssystem, das nicht nur für Paratriathleten gedacht ist, sondern jedem mehr Sicherheit beim Schwimmen gibt. Florian erklärte uns das System und fragte, ob ich es testen würde.

Na klar! Alles, was der persönlichen Sicherheit dient, ohne eine zusätzliche Belastung zu sein, kann nur ein Vorteil sein. Mehr zum Restube-Sicherheitssystem erfährt man auf www.restube.eu 

Wir platzierten das Tandem in der Wechselzone, richteten unsere  Wettkampfkleidung für den Wechsel griffbereit und gingen den Wechsel nochmals durch.Danach kam der Aufruf für die Wettkampfbesprechung. Hier wurden die Verantwortlichen nochmals vorgestellt und ihre Arbeit gewürdigt. 

Der Hauptsponsor, das Versandhaus Baur, war durch den Geschäftsführer und Schirmherr der Veranstaltung, Albert Klein vertreten.

Baur ist nicht nur als Hauptsponsor ein Förderer des Paratriathlons, sondern auch ein Unterstützer und Förderer der beruflichen Integration und Arbeitgeber vieler behinderter Menschen aus der Region. 

Der Start

Der Main war mit 18 Grad angenehm kühl und hatte eine leichte Strömung. Unsere Startgruppe war übersichtlich. Mit uns starteten ca. 30 andere Paratriathleten und Staffelteilnehmer.

Als der Startschuss fiel suchten wir eine „Spur“ auf der wir uns ungehindert bewegen konnten. Patrick behielt den Überblick, lotste mich an anderen vorbei und gab mir mit kurzen Zurufen die Richtung vor. Für die Schwimmetappe hatte  ich eine Zeit unter elf Minuten angepeilt, was realistisch sein sollte.

Als ich die Moderation auf den letzten 100 Metern hören konnte, war ich gedanklich bereits im Sattel. Die Zurufe der Zuschauer begleiteten jeden Athleten am Ausstiegspunkt des Mains. Von hier waren es ca. 200 Meter bis in die Wechselzone. Als wir aus dem Wasser stiegen, bemerkte ich Brandblasen im Vorderfussbereich, rechts stärker als links. Die hatte ich mir wahrscheinlich auf dem Weg zum Start geholt, jedoch erst jetzt beim Ausstieg bemerkt. Die Information, dass wir unter zehn Minuten geblieben waren verdrängte  das unangenehme Gefühl. 

Im Sattel 

In der Wechselzone versuchte ich die Ruhe, die Patrick ausstrahlte zu übernehmen und keine Hektik aufkommen zu lassen. Obwohl die Sachen vorher zurecht gelegt sind, greife ich oft zuerst nach dem falschen, verliere oft die Übersicht und werde leicht hektisch. Patrick jedoch gab mir die nötige Ruhe und nach einigen Minuten konnten wir aufsitzen und losfahren. 

Die 20 Kilometer führten über eine 10-km-Runde, die zweimal gefahren werden musste. Nach den ersten paar hundert  Meter kam ein Anstieg, den Matthias mir schon beschrieben hatte. Er kannte die Strecke und konnte mir das Profil vorab beschreiben. Der Anstieg hatte 10 bis 12 % und zog sich auf etwa 150 Meter hin. Hier mussten wir den kleinsten Gang einlegen und einen gleichmäßigen, homogenen Rhythmus finden. Dieser Anstieg war schon die erste richtige Herausforderung. Oben angekommen legte Patrick einen anderen Gang ein und wir gaben Gas, nahmen rasch Tempo auf. Die ersten Kilometer waren leicht wellig, aber ohne große Kurven oder sonstige Tempodrossler. 

Ohne Luft 

Doch gerade als wir die ersten Kilometer hinter uns hatten und ins Rollen kamen knallte es - nicht laut aber spürbar! Wir hatten einen Platten ... 

Patrick behielt die Ruhe und lenkte das Tandem an den Streckenrand. Das Hinterrad sah nicht gut aus. Der Mantel war an mehreren Stellen regelrecht aufgeschlitzt. 

Was dazu geführt hat, konnten wir nicht feststellen, es  war aber auch für den Moment nicht wichtig. Diesen  Ernstfall hatten wir nicht geprobt, aber Patrick hatte genug Erfahrung und Routine für diese Situation.

Nach rund acht Minuten konnten wir wieder aufsteigen und weiter radeln. Jetzt aber mit „angezogener Handbremse“, denn der Hinterrad war in einem kritischem Zustand. Ein weiterer Plattfuß würde das Aus bedeuten und das wollten wir nicht riskieren.

Auf den letzten Kilometern war das Fahren entsprechend wie ein Tanz auf Eiern und dünnem Eis. Es war fast ein Wunder, dass wir die die Wechselzone wieder erreichten. Der Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke ging relativ zügig. Jetzt war die Hitze jedoch deutlich zu spüren und ich vermisste die angenehme Abkühlung, die der Main uns knapp eine Stunde zuvor geboten hat. 

Ein heißer Lauf zur Bayerischen Meisterschaft 

Zum Glück kam die erste Verpflegungsstelle schon nach ein paar hundert Meter. Trinken, trinken und nochmals trinken, danach kurz unter die Dusche, die schön kühlte, und dann ging’s weiter. 

Die ersten drei Kilometer konnten wir jeweils unter  sechs Minuten laufen. Dieses Tempo jedoch konnte ich nicht halten, wurde schwächer und legte kurzzeitig sogar eine Gehpause ein. Die zweite Verpflegungsstelle war das Zeichen dafür, dass wir das Ziel bald erreichen würden. Wir erfrischten uns noch einmal und begaben uns auf dem Heimweg. 

Ein paar Minuten später war das Ziel erreicht! Wir hatten unseren ersten gemeinsamen Triathlon gefinisht und waren zufrieden. 

Ingrid und die Filmcrew erwarteten uns gleich hinter der Ziellinie. Es gab Küsschen und Glückwünsche und das angekündigte Interview für das Filmteam. 

Patrick ist ein hervorragender Guide und Wettkampfpartner. Seine innere Ruhe, Übersicht und Wettkampferfahrung waren der Grundstein für das gelungene Debüt, auch ohne gemeinsame Vorbereitung. Unser nächster gemeinsamer Start ist am 2. Juni beim Citytriathlon Heilbronn. Ich freue mich darauf!

Zum Abschluss des ersten gemeinsamen Triathlons wurde ich als Bayrischer Meister in Paratriathlon 2014 ausgezeichnet.