22.06.2014
Event

Citytriathlon Heilbronn


Interview mit Jens Nising, Sportredakteur beim SWR

Patrick und ich

Im Neckar …

...Vorbereitungen fürs Schwimmen

In der Wechselzone

Endspurt

Zieleinlauf

Erkan Sahin, Patrick und ich

Mit dem Sieger Andreas Dreitz

14 Tage nach dem Debüt stand der zweite gemeinsame Start für Patrick und mich an. Beim Citytriathlon-Heilbronn (CTH) hatte ich mich für die olympische Distanz angemeldet. 

Im vergangenen Jahr war ich mit einer Staffel angetreten und hatte für jede Disziplin einen Guide. Jetzt wollten wir die Erfahrungen, die wir auf der Sprintdistanz gesammelt hatten, auf der olympischen Distanz einbringen. Patrick kennt die Strecke bestens, da sie quasi seine Hausstrecke ist. 

Patrick hatte das Tandem bereits nach dem Baur-Triathlon nach Heilbronn mitgenommen. So konnten Ingrid und ich ganz entspannt mit der Bahn anreisen und mussten uns über den Transport des Tandems keine weiteren Gedanken machen. Patrick lies die Laufräder neu bemanteln, nahm Einstellungen an der Schaltung vor und reinigte die Kette. Das Tandem war also wieder startklar, dank Patrick. 

Für Freitagnachmittag war ein Interview mit Jens Nising, Sportredakteur beim SWR, geplant. 

Patrick holte uns mit dem QSR-Firmenbus im Hotel ab, wo wir bereits mittags eingecheckt hatten. Nachdem wir das Tandem bei ihm zu Hause abgeholt hatten, fuhren wir zum Breitenauer See, einer landschaftlich herrlichen Umgebung. 

Während wir das Tandem ausluden, traf Jens am See ein und wir besprachen den Ablauf des Interviews. Damit er eine Vorstellung bekam, wie unser Zusammenspiel als Team aussieht, radelten und liefen wir, während er nebenher radelte und uns dabei interviewte. Nach einer Stunde waren wir fertig mit dem Interview. 

Mir gingen währenddessen viele Gedanken durch den Kopf, Erinnerungen wurden wach ...

Hier waren wir vor einem Jahr gewesen, Patrick und ich waren zum ersten Mal gemeinsam geschwommen und hatten uns auf den Citytriathlon vorbereitet. Ich fühlte mich gut, gelöst, verspürte zwar eine gewisse Aufregung, jedoch keine belastende Spannung, sondern mehr die Vorfreude. Die Stunden, die wir dabei mit Freunden verbrachten, bot den passenden Rahmen dazu. Nach einem kurzen Besuch in unserem Heilbronner Lieblingslokal Eckstein ließen wir den Abend entspannt im Hotel ausklingen. 

Der Samstag begann mit einer Fahrt in die Klinik. Ingrid hatte sich das Knie verdreht, es schwoll an und bereitete ihr immense Schmerzen. Der Röntgenbefund brachte keine deutliche Diagnose, so dass wir uns mit manueller Lymphdreinage, Ibuprofen und Kniebandagen über die Tage behelfen mussten. 

Mittags trafen wir Patrick, holten die Startunterlagen ab und checkten das Tandem. Vor der Abgabe des Tandems suchten wir Franz Sebek von Fahrrad-Franz auf, der seinen Stand auf der Triathlonmesse hatten. Franz checkte nochmals alles durch, nahm ein paar letzte Einstellungen am Tandem vor und wünschte uns alles Gute. 

Den Abend verbrachten wir bei Patrick zu Hause, grillten und genossen den lauen Sommerabend. Trotz der leicht spürbaren inneren Aufregung konnte ich im Laufe des Abends Ruhe finden. Während die Frauen alle dem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft verfolgten, erzählte Patrick mir einiges über Zenmeditation, seine Erfahrungen damit und stellte mir ein paar Hörbücher dazu vor. In der Halbzeitpause des WM-Spiels fuhr uns Patrick ins Hotel. 

Während ich meine Tasche für die Wechselzone richtete, ging Ingrid die Checkliste mit mir durch. Dann war Nachtruhe angesagt. Einschlafen konnte ich nicht gleich, also ließ ich mich musikalisch von Lana del Ray berieseln und schlummerte irgendwann ein. 

Nach dem Frühstück verließen wir das Hotel und gingen Richtung Wechselzone, wo wir mit Patrick verabredet waren. Hier verstauten wir unsere Wechselkleidung und nahmen nur das, was wir für den Start benötigen wieder mit. Über die Lautsprecher hörte man die Moderation der bereits laufenden Wettkämpfe. Namen wie Dreitz, Kienle, Bazlen, oder Sessner wurden genannt, ihre jeweiligen Zwischenstände gemeldet. 

Bevor wir uns Richtung Startbereich bewegten, wurden wir nochmals zum Interview gebeten. Ein paar Minuten später schwammen wir uns ein, suchten uns eine gute Startposition und los ging’s! 

Bei ca. 22 °C Wassertemperatur und Gegenströmung suchten wir eine für uns schwimmbare Linie. Es war wichtig, nicht in den Pulk der anderen Athleten zu geraten, denn da wäre es für mich äußerst ungünstig. Patrick war mir immer zur Seite, immer in hörbarer Nähe und lotste mich besonnen und mit großer Übersicht. Auf den ersten 100 bis 200 Metern war die Gruppe der gestarteten Athleten noch eng beieinander, so dass Patrick sehr umsichtig voraus schwimmen musste, was ihm auch gut gelang. Allmählich hatten wir mehr Freiraum und konnten unsere Linie sicher schwimmen. Dennoch kam ich nicht wirklich gut voran. Die Gegenströmung bremste mich ein. Mein Schwimmstil brachte mich nicht dynamisch voran, ich tat mich schwer. 

Es war eine spürbare Erleichterung, als wir nach unendlicher Zeit die Wendeboje umkurvten. Jetzt ging es deutlich flotter voran. Die zahlreichen Zuschauer, die an beiden Ufern des Neckars standen, feuerten jeden Athleten an, der an ihnen vorbei schwamm. Patrick erkannte einige von ihnen und rief mir zu, wer uns gerade bejubelte. Das tut immer gut, beflügelt zusätzlich und treibt an! Nach der Wende waren wir mit Rückenströmung unterwegs. Dies beschleunigte uns immens und schon bald hatten wir den Ausstieg erreicht. 

Mann, war ich froh, den Neckar zu entsteigen ... 

In der Wechselzone wartete Stefan Binnig als Unterstützung. So konnte Patrick seinen Wechsel ruhig gestalten, während Stefan mir dabei half. Stefan war im letzten Jahr mein Laufguide und wusste also noch, was beim Wechsel für mich wichtig war. 

Nach ein paar Minuten waren wir dann auch schonstartbereit, schoben das Tandem aus dem Radpark und stiegen beim Wettkampfrichter auf. Nach einem kurzen Check und dem Okay waren wir unterwegs. Jetzt warteten 47 knackige Kilometer, mit langgezogenen Anstiegen, steilen Rampen und rasanten Abfahrten. 

Das Wetter war fast optimal, nicht zu heiß, lediglich ein immer wieder störender Gegenwind wehte, der aber auch erfrischend wirkte. Wir ließen die Fahrt locker angehen und suchten unseren Rhythmus. Nach einigen Kilometern kamen auch schon die erste Rampe und ein längerer Anstieg. Dieser erste Anstieg war noch relativ leicht zu nehmen. Allmählich kamen aber doch die härteren Brocken, die uns einiges abverlangten. Mittlerweile wurde der anfangs erfrischende Gegenwind lästig, insbesondere bei den Anstiegen. Nach einem der längsten Anstiege kam die Wendeschleife. Ab jetzt ging es tendenziell abwärts, immer wieder unterbrochen durch Anstiege und Rampen. 

Patrick hatte das Tandem gut im Griff und steuerte uns sicher bei den rasanten Abfahrten, auf denen wir immerhin um die 80 km/h erreichten. Auf den letzten Kilometern ließen wir es wieder lockerer angehen - Erholung für die Beine. 

In der Wechselzone ging es recht flott: Schuhe wechselen, Helm und Handschuhe abgelegt und dann los, raus auf die Laufstrecke! 

Bis zu diesem Zeitpunkt konnten wir ganz zufrieden sein. Wir waren sicher aus dem Neckar gekommen, hatten die Berge gut hinter uns gebracht und mussten jetzt nur noch die zwei Runden durch die Heilbronner Innenstadt laufen. Patrick wirkte noch ganz frisch, beschrieb mir die Szenerie und stellte mich dem einen oder anderen vor, den wir unterwegs trafen. Das lenkte mental von dem ab, was ich körperlich immer deutlicher verspürte: schwere Beine! 

An den Versorgungsstellen tauchten wir unsere Schwämme in das kühle, bereitstehende Wasser ein, erfrischten uns, tranken etwas und dann ging’s weiter. Als wir die Kaiserstraße zum letzten Mal hinunterliefen, konnte ich die Moderation im Zielbereich schon hören. Na endlich, wir waren fast daheim! 

Ein paar Minuten später liefen wir über den Rathausplatz, überquerten die Zielmatte und waren glücklich! Wir hatten zwar gekämpft (ich mehr als Patrick, für den es doch relativ locker lief), waren aber zufrieden. Es war unsere erste Olympische Distanz und der zweite Wettkampf, bei dem Patrick mein Guide war. 

Okay, ein Wettkampfathlet mit höheren Ambitionen werde ich nicht so schnell, aber meine Performance kann ich noch verbessern. Den Grundstein dazu habe ich gelegt, jetzt kann ich darauf aufbauen. 

Der Citytriathlon Heilbronn war wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Es war in sportlicher Hinsicht  anspruchsvoll, gut organisiert und begleitet von einem fantastischen Publikum.

Das Wochenende wurde für Ingrid und mich jedoch dadurch ganz besonders, dass wir bei guten Freunden waren...