Team Running-Norris am Erfahrungsfeld der Sinne

Team Running-Norris bietet Einblick zum Thema "Blind und trotzdem Extremsport"

Bei unserer Aktion ging es darum, dem Interessierten einen Einblick zum Thema Blindheit und Laufsport zu bieten. Das Kultur- und Freizeitamt der Stadt Nürnberg (KUF) und die Projektleitung des Erfahrungsfeld-der-Sinne hatte angefragt, ob wir eine Aktion zu diesem Thema auf der Wöhrder Wiese durchführen könnten. Meine beiden Team-Kolleginnen Andrea und Lea, sowie mein langjähriger Freund und Trainingspartner Conny unterstützten mich dabei. 

Dem Besucher sollte anschaulich vermittelt werden, wie ich trotz Blindheit mit einem Guide laufen kann. Gleichzeitig sollte gezeigt werden, welche anderen Sinne dadurch intensiver angesprochen oder gereizt werden. Vielen ist es unerklärlich und für den einen oder anderen unvorstellbar, wie Blinde ohne den Weg oder die Umgebung zu sehen, schnell laufen oder sogar rennen können. 

Okay, manchmal liefert der Geruchs-, Hör- oder Tastsinn Hinweise darauf, wo oder in welcher Umgebung man sich gerade befindet. Diese Hinweise, die die Sinne bieten, werden aber im Alltag weniger, manchmal nur als zusätzliche Orientierungshilfe genutzt. Ich habe noch Erinnerungen an den Besuch des Weihnachtsmarkts, als ich noch sehen konnte. Den Weg durch die Reihen und Gassen der unzähligen Buden konnte ich visuell finden, den Weg zum Glühweinstand oder der Lebkuchenbude hat die Nase oftmals schon erfasst, die Augen mussten nur der Peilung der Nase folgen. Nach meiner Erblindung merkte und erlebte ich, wie sich andere Sinne fast automatisch öffnen, vorausgesetzt, sie sind nicht auf „Stand-by“ geschaltet. Bei meinen ersten Lauferleb-nissen nach meiner Erblindung, erlebte ich dies ganz intensiv: Ich war mit einem Guide im Wald unterwegs, jedoch bezog sich unsere Unterhaltung nicht auf das Profil der Strecke oder die Umgebung, in der wir uns befanden. Doch immer, wenn ich einen anderen „Sinnesreiz“ empfand, etwas über Nase, Ohr oder Haut registrierte, nahm ich es ganz bewusst und intensiv wahr. Das waren neue Erfahrungen für mich. So bewusst hatte ich diese anderen Sinne nie benutzt, um mich zu orientieren. 

Nach den ersten Läufen auf dieser Strecke konnte ich mir anhand dieser Sinnesreize eine gewisse Vorstellung der Umgebung ausmalen. Mein Laufpartner überließ es immer mir, die Beschreibung zu geben und gab mir danach das Feedback dazu. So bekam ich ein gutes Bild meiner Umgebung und hatte gleichzeitig den Lerneffekt, die Sinne bewusster zu nutzen. 

Mit unserer Aktion wollten wir diese Erfahrungswerte aktiv weitergeben, dem Besucher eine ähnliche Erfahrung vermitteln. Manchmal reicht ein kleiner Anstoß, um etwas in Bewegung zu setzen, die Menschen für etwas zu sensibilisieren und es bewusst erfahren zu lassen. 

Die Aktion begann um 13 Uhr, wir waren kurz nach 12 Uhr vor Ort. Sicherheitspersonal hatte die vorher festgelegte Laufstrecke abgesperrt, ein Pavillon war aufgestellt und ein Tontechniker richtete das Mikrofon ein. Während diese letzten Vorbereitungen getroffen wurden, gab es noch ein Fotoshooting für die Presse. 

Ein Vertreter des „Cafe im Dunkeln“ stellte unsere Aktion kurz vor. Ein bisschen unsicher und leicht aufgeregt, übernahm ich danach das Mikrofon, stellte mein Team und unsere Zielsetzung vor. Nachdem ich den Inhalt und Zweck der Aktion nochmals eingehender erklärte, beantwortete ich die Fragen der Besucher. 

Anschließend wurde gelaufen. Damit die Besucher eine Vorstellung von dem bekamen, was ich zuvor erklärt hatte, zeigte ich, mit meiner Teamkollegin Andrea als Guide, wie das „Guiding“ funktioniert. Nach und nach stieg das Interesse bei den Besuchern, insbesondere bei den Kindern. Manche wollten sich als Guide versuchen und führten mich auf unsere abgesperrte Laufstrecke. Auch hierbei waren sie äußerst aufmerksam und führten mich nach den ersten 30 bis 50 Meter sicher und souverän. 

Erfreulich war die Beteiligung der Eltern und anderen erwachsenen Besuchern. Das Interesse der Teilnehmer hielt mein Team auf Trab, so dass ich mir Zeit nehmen konnte, den beiden Pressevertretern einen näheren Einblick zu bieten. Als das zweite Gespräch fast beendet war, kam der Regen, der sich mit Donner und Wolken schon länger angekündigt hatte. Wir hatten zwar gehofft, die Wolken würden sich noch verziehen, das Gewitter sich woanders austoben, aber die Hoffnung ist mehr oder weniger im Regen untergegangen. 

Das Feedback der Besucher zu unserer Aktion war sehr interessant: Für manche war es nicht leicht sich ohne optische Informationen zu orientieren, obwohl sie geführt wurden, andere mussten sich erst einige Meter langsam voran bewegen, bevor sie sich sicher fühlten. Am interessantesten war jedoch das Feedback der mitlaufenden Kids, die keine Unsicherheiten spüren ließen.
Es mag wohl die kindliche Unbekümmertheit, gepaart mit der Interesse und Neugier auf Neues sein, die dieses Erlebnis zu einer Sinneserfahrung der anderen Art für sie werden ließ...

 

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