ING-Europe-Marathon

Das Pfingstwochenende sollte für mich der Abschluss meiner Vorbereitung auf den Challenge in Roth sein. Nochmals zwei Marathons laufen! Zuerst der ING-Europe-Marathon in Luxemburg, anschließend der Hessentagsmarathon in Oberursel. Zu beiden Events erhielt ich vom Veranstalter eine Einladung.
Auf diese beiden Veranstaltungen hatte ich mich sehr gefreut. In Oberursel würde ich wieder mit Joey Kelly laufen, der mir schon bei einigen Events Guidance geboten hat.  

In Luxemburg stand ein „Meet and Run“ mit Pascale Schmoetten an, Luxemburgs bester Marathonläuferin. 

Die Ereignisse in den letzten Wochen hatten aber meine Planung umgeworfen. Die Umstände, die ein adäquates Training verhinderten, brachten mich zu dem Entschluss und der bedauerlichen Entscheidung, zwei Highlights abzusagen: den Challenge mit Andreas Niedrig und den Hessentagsmarathon mit Joey Kelly.
Diese Entscheidungen fielen mir schwer und drückten meine Motivation nach unten. 

Situationen dieser Art habe ich schon einige hinter mir, und ich weiß, dass ich sie nicht einfach verdrängen kann, sondern durchleben muss. Die Trauer um meinen Bruder hätte ich auch anders verarbeiten können, war aber durch das arrangieren, koordinieren und strukturieren meines Umfeldes mental lange blockiert. Die fehlenden Trainingsmöglichkeiten steuerten zusätzlich eine Prise Salz in die „offene Wunde“. 

Erst ein paar Tage vor der Reise nach Luxemburg verspürte ich wieder eine bewusste Freude auf das kommende Ereignis.
Das lag zum einen daran, dass ich mich mit meinem Entschluss der Absage der beiden anderen Events mit mir selbst ins Reine kommen konnte. Mit Andreas und dem Veranstalter des Challenge in Roth hatte ich gesprochen und die Situation erklärt. Beide zeigten Verständnis und boten gleichzeitig die Möglichkeit der Teilnahme im nächsten Jahr an. Das gab mir dann wieder einen kleinen Motivationsschub. 

Zwei Telefonate mit Pascale in den Tagen vor der Fahrt nach Luxemburg stimmten mich noch zusätzlich auf unser Treffen ein. Wir hatten recht schnell den richtigen Draht zueinander gefunden und freuten uns beide auf den Event.
Mein Zug fuhr am Freitagmorgen um 5:30 Uhr in Nürnberg ab. Luxemburg war für mich auch „Neuland“, aber meine Freundin ist das erste Mal überhaupt bei einem Event dieser Größe dabei. Für sie war es schon bei der Abfahrt sehr aufregend. Wir besprachen unseren Schedule, um zeitlich genügend Freiraum ein zu planen. Der Tag sollte noch lang werden, also schlummerte ich zwischen Aschaffenburg und Koblenz. In Koblenz stiegen wir um und fuhren dann weiter nach Luxemburg, wo wir am Bahnhof abgeholt wurden. 

Das mich das Fernsehen, der Rundfunk und die Printmedien des Öfteren aufsuchen würden war nicht unbedingt neu für mich, aber diesmal etwas ganz Besonderes.
Das erste Interview hatte ich bereits telefonisch für RTL-Radio am Vortag gegeben. Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, holte uns Line Logelen, Reporterin bei RTL ab. Wir fuhren zur Expo, um das „Erlebnis Luxemburg“ zu starten. 

Fotoshooting mit dem Hausfotograf der Firma Creos an. (Creos ist eine Tochterfirma von Enovos Luxembourg S.A. dem größten Energieversorgungsunternehmen in Luxemburg). 

Der Fotograf war mir auch bei der Suche nach farblich abgestimmter Laufhose und Socken behilflich, passend zu den Creos-Teamshirts.
Und dann war es soweit: Chrescht Beneke, Sportredakteur des luxemburgischen Magazins „Revue“ holte uns ab und fuhr mit uns nach Diekirch.
Im Vereinsheim von Celtic Diekirch wurden wir von Pascale Schmoetten sehr warmherzlich empfangen. Meine Freundin Ingrid war fleißig am Fotografieren, und während sich der Vereinspräsident und Pascales Trainerin zu uns gesellten, beobachteten wir den Vereinsnachwuchs beim Training. 

Den Abend verbrachten wir mit einem gemütlichen Essen beim Italiener. Wir unterhielten uns über sportliches, aber auch viel persönliches, tauschten Erfahrungen und Erlebnisse aus.
Der Abend war sehr angenehm, jedoch ist der Tag für uns sehr lange und ereignisvoll gewesen und wir waren froh, als wir spätabends wieder im Hotel ankamen. Während meine Freundin mir ihre Eindrücke erzählte, schlief ich tief und fest ein..... 

Der Start der Laufevents war für 19 Uhr angesetzt. Wir hatten uns mit dem RTL-Kamerateam für 17 Uhr in der Expo Halle verabredet, hatten um 18 Uhr einen Termin mit RTL-Radio und zudem noch ein Treffen mit dem Team von Creos vereinbart.
Pascale und Chrescht trafen gegen 18 Uhr ein. Nach den Fotoshooting in der Expo Halle, wo auch der Zieleinlauf sein würde, begaben wir uns zum Startbereich.
Auch hier kamen Reporter auf uns zu, um unsere Stimmung ein zu fangen. 

Ja, genau, die Stimmung...
Luxemburg ist eine Stadt, die tagsüber überwiegend aus Pendlern besteht und zu einer Großstadt anwächst, abends dann wieder verkehrsarm, ruhig und bescheiden wirkt. Der Event war natürlich überall präsent, wobei das meiste sich im näheren Bereich des Kirchbergs abspielte. 

Auf Grund der räumlichen Gegebenheiten wurde es zeitweise in den Hallen sehr eng und der Geräuschpegel wuchs für mich irritierend an. Überall herrschte gute Stimmung, freudige Erwartung und Partylaune. Der Moderator stellte die internationalen Teilnehmer vor und dabei wechselte die Sprachen vom luxemburgisch nach deutsch, dann ins französische und englisch.
Ein paar Minuten vor dem Start wurde Dietmar Mücke, den die meisten als Pumuckl kennen, vorgestellt. Dietmar war wieder für die Aktion „Menschen für Menschen“ unterwegs, für die er schon unzählige Spendenaktionen gelaufen war.
Jetzt stand er auf der Bühne und ich konnte sagen: “Hey Leute, den kenne ich, der ist gut...!“ 

Wir postierten uns im Startbereich, wünschten uns gegenseitig noch einen sicheren, erfolgreichen Lauf, und dann erfolgte der Startschuss.
Als der Startbereich sich lichtete, ging es auch für uns los. Pascale lief rechts von mir, so dass ich mich an ihrer linken Seite „andocken“ konnte. Wir sind in etwa gleich groß, was mir das Andocken, also nur den Körperkontakt zur Orientierung nutzen, vereinfachte. 

Die ersten Kilometer nutzten wir, um uns an einander zu gewöhnen. Wir waren noch keinen Meter vorher gemeinsam gelaufen, was auch nicht unbedingt notwendig war. Wir hatten vorher schon den „guten Draht“ zu einander gefunden, mussten jetzt lediglich den Laufrhythmus auf einander anpassen. Auch dies war relativ unkompliziert, da wir keinen Wettkampf liefen, keine Bestzeiten anpeilten und lediglich sicher und voller Eindrücke ankommen wollten. 

Chrescht war sehr darauf bedacht, uns nach hinten abzusichern. Er war, wie wir unterwegs feststellten, für das Kulturelle, für die Mode und als Moderator unserer Sightrunning-Tour, durch die abendliche Stimmung der Stadt, verantwortlich. Er vermittelte mir viele Details der Stadt, beschrieb mir oft das Geschehen um uns herum und reichte uns auch bei Bedarf Getränke. 

Zur Partymeile. An manchen Stellen war es dann wieder ruhiger und wir konnten den Beifall und Zurufe der Zuschauer deutlicher vernehmen, uns auch direkter dafür bedanken.
Die Heiße Party fand in der Fußgängerzone statt. Hier bejubelte, beklatschte und applaudierte das Publikum frenetisch! Die Musik drang von allen Seiten zu uns und teilweise wuchs der Geräuschpegel so an, dass ich die Orientierung völlig verlor.
Aber ich war ja in bester Begleitung, sicher geführt und gut abgeschirmt. In dieser Phase des Laufs sah ich dem Ziel mit Sehnsucht entgegen. Die Strecke wurde sehr anspruchsvoll und ich bekam langsam schwere Beine und war auch müde.
Zwischenzeitlich hatte Chrescht die Guidance übernommen, um diese Erfahrung aktiv zu erleben. Da Chrescht um einiges größer ist als ich und damit ich meinen Arm nicht zu hoch halten muss, zog ich es vor, mich „an die Leine nehmen zu lassen“. 

Als wir uns der Expo Halle wieder näherten stand die Abendsonne schon sehr tief. Trotz anfänglichen nieseln beim Start, hatte sich das Wetter von seiner angenehmen Seite gezeigt. Es war angenehm mild, zeitweise warm und zum Glück blieb es trocken (zumindest hatte es nicht geregnet). 

Der Jubel der Zuschauer, der nach der Innenstadtetappe wieder ruhiger wurde, nahm jetzt wieder zu, je näher wir der Halle kamen. 

Das Ziel war in der Halle. Die letzten 50 Meter wurden in der Halle gelaufen, wo die Zuschauer richtig tobten, die Musik noch lauter dröhnte und mir ein warmer Schauer den Rücken hinunter lief, als wir eintrafen.
Diese Momente, so kurz sie auch manchmal sind, bleiben lange in Erinnerung, sind fast unvergesslich. 

Wir waren den letzten Kilometer zu dritt, Hand in Hand, gelaufen. Das unterstrich das Gefühl der Verbundenheit, dass wir in den vergangenen 24 Stunden gefunden hatten. 

Im Ziel waren wir für uns natürlich Helden, überglücklich und losgelöst.
Nachdem wir uns ausgiebig selbst bejubelt, gratuliert und gefeiert hatten, wartete bereits wieder das Team von RTL, ein paar Reporter und zum Schluss der Moderator des Zieleinlaufs auf uns. 

Eine halbe Stunde später wurden wir auch zur Pressekonferenz gebeten. Hier saßen wir in einer Reihe mit den Läufern aus Äthiopien und Kenia, einem Inder, einem Iren, einem Luxemburger und Dietmar Mücke aus Bayern – Internationalität auf der ganzen Linie!
Nach der Pressekonferenz gab es noch ein Fotoshooting für die Presse und dann war das Erlebnis komplett.
Für mich war es natürlich ein großes Happening.
Pascale, Chrescht und das Orga-Team des ING-Europe-Marathon haben mir ein wunderschönes, interessantes und nachhaltiges Erlebnis ermöglicht – herzlichen Dank dafür!
Ganz besonderen Dank auch an Klaus Duwe von Marathon4You, über dessen Plattform alles Zustande kam. 

Mat beschte Gréiss, also mit beste Grüße, bedanke ich mich insbesondere bei Danielle Schmit für die angenehme zusammenarbeit mit Creos Luxemburg S.A.

 

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