Challenge Roth 2007-2012 – Rückblick, Einblick, Ausblick

24. Juni 2007, kurz vor 20 Uhr: Die Abendsonne stand nur noch auf halber Höhe am Firmament des fränkischen Himmels, als ich die Ziellinie im Mekka der Langdistanztriathlons beim Challenge in Roth überquerte ... 

Yeah Baby!! Ich hatte es tatsächlich geschafft; 3,8 km im geweihten Wasser des Kanals, 180 km im Sattel über den heiligen Asphalt und 42,195 km auf dem Weg zum Olymp für jeden Herzblut-Triathleten: der Finish bei einen Langdistanztriathlon!   

Einer der unzähligen Höhepunkte dieses orgastischen Spektakels war u. a. das zweimalige Erklimmen des Solarer Bergs! Im Vorfeld hatte ich schon viel darüber gehört und eben diese Erzählungen waren größtenteils Schuld daran, dass ich es selber erleben wollte. Unvorstellbar für die meisten, aber wer es selber erlebt hat, weiß welches Feuerwerk an Emotionen in diesen wenigen Minuten abgefeuert wird! 

Tausende frenetisch jubelnde Zuschauer lassen hier nur einen schulterbreiten Spalier für die Athleten zur Durchfahrt über diesen Buckel am Rande von Hilpoltstein frei.... Nirgends habe ich jemals soviel Begeisterung und soviel Anteilnahme für jeden einzelnen, ob Profi, Supertriathlet, oder Feierabendsportler erlebt, gigantisch, phänomenal, da fehlen mir einfach die passenden Worte, um es richtig zu beschreiben! Bei keinem anderen Sportereignis habe ich etwas jemals so intensiv verspürt. Es war das größte, beeindruckendste Sporterlebnis bis dato für mich, Zudem war es die höchste Anforderung an Körper und Geist, an dass ich mich bis zu diesem Zeitpunkt jemals gewagt hatte.  

Ein Moment der Glückseligkeit überkam mich, schob alle körperlichen Empfindungen auf Seite, als meine Team- und Trainingskollegen hinter der Ziellinie mich und meinem Guide empfingen. Die Schmerzen, die mich auf den letzten 20 bis 25 km bedrängten, ließen mir den Freiraum, diese Gefühle des erreichten Zieles an zu nehmen und spüren. Knapp zehn Minuten später lag ich frierend, in einer Decke eingehüllt, ausgelaugt, platt, aber dennoch zufrieden auf einer der vielen Massageliegen, unter andere müde, erschöpfte und glückliche Finisher. „Wie das Leiden Christi im Grabtuch...“, schmunzelte mir einer zu. „Ja, sicher, aber wie Jesus, werde auch ich wieder auferstehen....“, entgegnete ich ihm.  

Und so war es auch, denn zwei Tage später lief ich meine gewohnte Runde beim Lauftreff. Keine Blessuren, die mich lahm legten, keine Erschöpfung, die mich zu einer Regenerationspausezwang. Nur in diesem Moment, in dieser Stunde des mentalen Triumphs war ich einfach müde, unheimlich müde, aber...., ich hatte es geschafft! 

Dieser Tag war nur der Abschluss einer langen, sehr umstandsbehafteten Vorbereitungsphase. Meine Vorbereitung und die Trainingsmöglichkeiten für diese Herausforderung waren von Unerfahrenheit und Unsicherheit geprägt. Bis dahin hatte ich zwar schon einige Marathons gefinisht, war auch bei Triathlons in der olympischen und Mitteldistanz erfolgreich ins Ziel gekommen...., aber der Challenge stand doch in einer ganz anderen Dimension. 

Die letzten Wochen im Vorfeld zu diesem Erlebnis hatten mich völlig ausgepumpt, aber dennoch war ich erfüllt. Und obwohl ich mental völlig ausgelaugt war, fühlte ich mich aber seelisch prickelnd erfrischt! Ich hatte mein Ziel erreicht und stand gleichzeitig am Anfang eines neuen Weges.  

Nach diesem grandiosen Erlebnis eröffnete sich mir eine neue Welt mit breiter Perspektive. Von Boston nach New York, vom Strand am Golf von Mexiko zum gefrorenen Yukon in der kanadischen Arktis: Jede Erfahrung und Erlebnis in der Ferne bot mir einen neuen Einblick und mehr Verständnis für mich selbst. Jede erreichte Etappe brachte mich meiner eigenen Person einen Schritt näher. Die Erfahrungen, die ich auf den verschiedenen Wegen machte, waren prägend und stärkten mich in meiner Zielsetzung, meinen eigenen Weg zu gehen, meine eigenen Vorstellung des Sports zu leben und nicht auf eine fremde Fährte leiten zu lassen.
Trotz der überwiegend positiven Erlebnisse und wertvollen Momente, machte ich auch bittere Erfahrungen. Durch diese  Erfahrungen habe ich aber gelernt, dass nicht unbedingt jeder gute Name von einem wohlmeinenden, guten Geist begleitet wird... 

Dennoch habe ich mich, insbesondere nach negative Erfahrungen, selber wieder auf die Beine gestellt und nach vorne orientiert.
Habe aber auch erkannt, dass es noch viel zu lernen gibt und ich auch Fehler auf dem selbstgewählten Weg mache.
Insbesondere das vergangene Jahr hat viele Erkenntnisse gebracht, war aber auch Verlustreich: Ich verlor Vertrauen, das ich in Menschen gesetzt hatte und dadurch gleichzeitig Vertrauen in meinem Handeln, meine Entscheidungen. Der größte Verlust war jedoch durch den Tod meines Bruders, Joseph Albert Norris... 

Joey ist immer seinen Weg gegangen, hat sich nie den „Normen der Gesellschaft“ unterworfen. Nein, er war kein Rebell, kein Aufständler oder Unruhestifter..., er war einfach Joey. Wer ihn kannte, weiß was ich meine.
Und mit jedem Schritt, den ich weiter voran komme, spüre ich sein schmunzeln, denn er bestärkte mich immer wieder darin, meinen Weg nach eigener Vorstellung zu gehen und alle negativen Erfahrungen und  Erlebnisse als Triebfeder für eine positive Ausrichtung zu nutzen.
Sicherlich, das ist nicht immer einfach, aber umso wertvoller, wenn etwas gelingt. Und wenn etwas nicht gelingt, ist dies kein Scheitern oder Versagen, sondern nur der Anstoß, es anders zu versuchen. 

Und mit diesem Motto, mit dieser Motivation und Grundlage habe ich mir für dieses Jahr zwei große Etappen auf meinem langen Weg vorgenommen. Das erste Erlebnis in diesem Jahr war beim Brave Heart Battle. Diese hochglorifizierte Veranstaltung entpuppte sich jedoch als Schlammschlacht, allerdings ohne sportlichen Wert. Dennoch war es zumindest eine mentale Stimulierung und, okay, Spaß hat es auch gemacht... 

Nachdem nun auch meine Bayern, der FC-Worlds-best-Bayern München im Finale der Champions League steht, der Club aus Nürnberg den Verbleib in der Bundesliga gesichert hat und zuletzt höchsterfreulich und längst verdient, die Kreuther aus Fürth aufgestiegen sind, bin ich mit meinem Team an der Reihe! 

Zum Jubiläum gehe ich beim Challenge in Roth wieder an den Start. 2012 ist ein doppeltes Jubiläumsjahr für mich: vor 20 Jahren bin ich erblindet und  habe danach auch meine ersten Erfahrungen im Laufsport gemacht – doppelter Grund zum Feiern! Die Erblindung hat mir eine völlig neue Welt eröffnet, der Sport mir dazu verholfen, viel positives daraus zu gewinnen, wertvolles zu erfahren und erleben.
Nein, versteht mich nicht falsch, ich will die Blindheit nicht schönreden oder verherrlichen. Letztendlich bin ich „auch nur ein Mann“, der der einen oder anderen Frühlings- oder Sommeraugenweide nachschauen würde.
Aber auch das lässt sich einigermaßen kompensieren....
Doch die Erfahrungen, die mir meine Lebenssituation ermöglicht hat, hätte ich als Sehender nicht machen können.
Und so habe ich mich ganz gut mit der Situation arrangieren können. Zudem bin ich optisch nicht mehr manipulierbar... denkt mal darüber nach.
 
Aber jetzt zurück zum Challange.
Nach dem schlammigen Erlebnis beim Brave Heart Battle, wo ich für das Team von Peter Althof an den Start ging, begann ich mit der intensiveren Vorbereitung für den Challenge. Das Team Challenge kommt mir dabei sehr weit entgegen, so dass ich wieder mit einer Staffel starten darf. Dadurch ist für mich zumindest die Sicherheit gegeben, dass meine jeweiligen Staffellisten für ihre jeweilige Disziplin „frisch" sind. Wer schon die Erfahrung bei einem Triathlon gemacht hat, insbesondere bei der Langdistanz, der weiß wie hart es werden kann, sich zusätzlich noch auf einen anderen zu konzentrieren.
Zudem ist es einem einzigen Guide nicht zumutbar, sich über 12 Stunden mit mir zu quälen ... 

Im Laufe der Vorbereitungsphase kann sich natürlich einiges ändern, einer sich verletzen, oder aus anderen nicht vorhersehbaren Gründen ausfallen.
Die vorläufige Zusammensetzung sieht so aus: 

Michael Dotzauer  - Schwimmlotse,
Matthias Reitenspiess - Tandempilot 

Beide Teamkollegen sind mehrfache Challenge/Ironman-Finisher. 

???- Laufguide 

Wer mich als Laufguide begleitet wird spätestens zum Rothsee-Triathon, dem ultimativen Test vor der Challenge, entschieden. 

Um das Trainingspensum zu ergänzen habe ich weitere Trainingspartner über das Institut für Sportwissenschaften an der Uni Erlangen vermittelt bekommen.
Dr. Heiko Ziehmains war mir schon öfters bei der Suche nach adäquaten Trainingspartner behilflich, wie auch diesmal wieder. 

Andre Joffroy-Mtb-Trainer und Zweiradmechaniker,
Manuel Baerwald- Triathlet, mehrfacher Challenge/Ironman-Finisher
 
Die Steckbriefe der einzelnen Team-/Trainingspartner findet ihr hier auf der Website unter Support/Team. 

Mehr Informationen zur Challenge Roth: 
www.challenge-roth.com 

 

[zurück]